Bildungsbericht Ruhr 2024

Allgemeinbildende Schulen

Prof. Dr. Gabriele Bellenberg
Prof. Dr. Christian Reintjes
Dr. PH Sabine Wadenpohl

3.2. Schulinfrastruktur und Rahmenbedingungen von Bildungsprozessen

In diesem Kapitel werden zuerst die kommunalen Rahmenbedingungen wie Anzahl der Schulen, Zügigkeit usw. dargestellt sowie die hohe soziale Belastung vieler Schulen in der Metropole Ruhr thematisiert, welche den Kompetenzerwerb maßgeblich beeinflussen und große Herausforderungen für die Schulen darstellen.

Grundschulstandorte, Zügigkeit und Anteil an Klassen über Richtwert

Der deutliche Anstieg der Schüler*innenzahlen verbunden mit dem erheblichen Lehrkräftemangel setzt die Grundschulen unter starken Druck, sowohl hinsichtlich der Schulinfrastruktur und der Organisation, aber vor allem auch bei der pädagogischen Arbeit, deren Rahmenbedingungen sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert haben.

Als eine kommunale Bewältigungsstrategie erweist sich die moderate Vergrößerung der Schulstandorte durch die Hinzunahme von weiteren Parallelklassen (Abbildung 3.7 und 3.8), vor allem aber werden die vorhandenen Klassen (weiter) gefüllt. Ein Indikator für diese Strategie ist der Anteil der Klassen oberhalb des Klassenfrequenzrichtwert (KFR)Der KFR gibt an, welche Anzahl an Schüler*innen nicht unterschritten werden soll. Die Zahl darf nicht über dem Klassenfrequenzhöchstwert und nicht unter dem Klassenfrequenzmindestwert (50 % des Klassenfrequenzhöchstwertes) liegen. In der Hauptschule beträgt der Klassenfrequenzrichtwert 24. Es gilt die Bandbreite 18 bis 30. In der Realschule und in der Sekundarstufe I des Gymnasiums und der Gesamtschule beträgt der Klassenfrequenzrichtwert 27. Es gilt die Bandbreite 25 bis 29. In der Sekundarschule beträgt der Klassenfrequenzrichtwert 25. Es gilt die Bandbreite 20 bis 29. (§ 6 Verordnung zur Ausführung des § 93 Abs. 2 Schulgesetz; VO zu § 93 Abs. 2 SchulG vom 18.03.2005 mit Stand 01.10.2024).Klassenfrequenzrichtwertes von 25 Schüler*innen (Abbildung 3.9). Dieser hat zwischen den Eckjahren erheblich zugenommen.

2022 überschreiten, bei erheblichen Unterschieden zwischen den Kommunen, 44,9 % der Klassen diesen Richtwert. In Herne (64,9 %) und in Essen (61,1 %) gilt dies für eine deutliche Mehrheit aller Grundschulklassen. Dass der Lehrkräftemangel zusammen mit dieser gestiegenen Nachfrage sich auch in Stundentafelkürzungen und einem höheren Unterrichtsausfall niederschlägt, ist sehr wahrscheinlich. Leider liegen zu dieser wichtigen pädagogischen Variable keine Daten vor.

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