Bildungsbericht Ruhr 2024
Allgemeinbildende Schulen
Für Schulleitungen im Ruhrgebiet stellten das Verhalten der Schülerschaft sowie ihre Leistungsvoraussetzungen und ihre schulischen Leistungen eine große Herausforderung dar
Eine RuhrFutur-eigene Befragung von Schulleitungen im Ruhrgebiet gibt einen exemplarischen Einblick, wie die pädagogischen Verantwortungsträger ihre Situation mit Blick auf besondere Herausforderungen einschätzen. Dabei zeigen sich einerseits deutliche und signifikante Unterschiede zwischen Schulen in herausfordernden und nicht herausfordernden Lagen. Vor allem aber gibt diese Einschätzung ein allgemeines und geteiltes Lagebild ab. Die große Mehrheit der Schulleitungen beurteilt das Verhalten von Schüler*innen als eine große Herausforderung, gefolgt von den Leistungen (und damit den Lernvoraussetzungen der Schülerschaft) und der Zusammenarbeit mit Eltern bzw. Erziehungsberechtigten. Eine Befragung ausschließlich an Schulen in herausfordernden Lagen zeigt ein vergleichbares Bild (Wübben Stiftung Bildung, 2023). Mögliche Erklärungsansätze für diese Einschätzungen finden sich darin, dass die Herkunftsfamilien der Schüler*innen weniger Bildungsaufgaben übernehmen können, als es im Schulsystem eigentlich institutionalisierte Praxis ist. Darüber hinaus erhöhen Passungsprobleme im Habitus von Lehrkräften und Schüler*innen das Potenzial herausfordernder oder als problematisch wahrgenommener Interaktionen innerhalb der Schulen (Klein, in Vorbereitung).
TAB Ruhr
Bei der Erhebung des Projekts TAB Ruhr wurden Schulleitungen der allgemeinbildenden Schulen in Nordrhein-Westfalen befragt. Der Befragungszeitraum erstreckte sich vom 21.11.2023 bis zum 15.01.2024. Insgesamt wurden 2.812 Schulleitungen zur Befragung eingeladen. 19,8 % haben geantwortet.
Bei der Auswertung wurden die Schulen anhand des Schulsozialindex in Schulen in herausfordernden und nicht herausfordernden Lagen aufgeteilt, wobei Schulen ab Stufe 4 als Schulen in herausfordernder Lage galten. Mittlerweile liegt eine weiterentwickelte Version des Schulsozialindex vor, sodass die Darstellung hier von den übrigen Darstellungen abweicht, in denen Schulen von uns ab Stufe 6 als Schulen mit sozial hoher Belastung eingestuft werden.
Die vielfältige Landschaft an Berufskollegs und Weiterbildungskollegs
Ein dem Sozialindex für die Grundschule und die Sekundarstufe I entsprechender Belastungsindikator liegt für die 101 Berufskollegs in der Metropole Ruhr nicht vor, denn ihre Schülerschaft rekrutiert sich häufig aus einem größeren, je nach Bildungsgang auch überregionalen Einzugsgebiet. Die Berufskollegs sind weiterhin zentrale Bildungsinstitutionen von hoher Bedeutung für die Metropole Ruhr, denn dort können Schüler*innen sowohl unterschiedliche berufliche Qualifizierungen als auch alle Schulabschlüsse einschließlich der allgemeinen Hochschulreife erwerben bzw. nachholen (Abbildung 3.17). Zudem offerieren weiterhin zwölf Weiterbildungskollegs als Einrichtungen des zweiten Bildungsweges zusätzliche Angebote für Erwachsene in den Bildungsgängen Abendrealschule“, „Abendgymnasium“ und „Kolleg“ und „Abitur online“, einen Schulabschluss nachzuholen.