Bildungsbericht Ruhr 2024

Allgemeinbildende Schulen

Prof. Dr. Gabriele Bellenberg
Prof. Dr. Christian Reintjes
Dr. PH Sabine Wadenpohl

Für Schulleitungen im Ruhrgebiet stellten das Verhalten der Schülerschaft sowie ihre Leistungsvoraussetzungen und ihre schulischen Leistungen eine große Herausforderung dar

Eine RuhrFutur-eigene Befragung von Schulleitungen im Ruhrgebiet gibt einen exemplarischen Einblick, wie die pädagogischen Verantwortungsträger ihre Situation mit Blick auf besondere Herausforderungen einschätzen. Dabei zeigen sich einerseits deutliche und signifikante Unterschiede zwischen Schulen in herausfordernden und nicht herausfordernden Lagen. Vor allem aber gibt diese Einschätzung ein allgemeines und geteiltes Lagebild ab. Die große Mehrheit der Schulleitungen beurteilt das Verhalten von Schüler*innen als eine große Herausforderung, gefolgt von den Leistungen (und damit den Lernvoraussetzungen der Schülerschaft) und der Zusammenarbeit mit Eltern bzw. Erziehungsberechtigten. Eine Befragung ausschließlich an Schulen in herausfordernden Lagen zeigt ein vergleichbares Bild (Wübben Stiftung Bildung, 2023). Mögliche Erklärungsansätze für diese Einschätzungen finden sich darin, dass die Herkunftsfamilien der Schüler*innen weniger Bildungsaufgaben übernehmen können, als es im Schulsystem eigentlich institutionalisierte Praxis ist. Darüber hinaus erhöhen Passungsprobleme im Habitus von Lehrkräften und Schüler*innen das Potenzial herausfordernder oder als problematisch wahrgenommener Interaktionen innerhalb der Schulen (Klein, in Vorbereitung).

TAB Ruhr

Bei der Erhebung des Projekts TAB Ruhr wurden Schulleitungen der allgemeinbildenden Schulen in Nordrhein-Westfalen befragt. Der Befragungszeitraum erstreckte sich vom 21.11.2023 bis zum 15.01.2024. Insgesamt wurden 2.812 Schulleitungen zur Befragung eingeladen. 19,8 % haben geantwortet.

Bei der Auswertung wurden die Schulen anhand des Schulsozialindex in Schulen in herausfordernden und nicht herausfordernden Lagen aufgeteilt, wobei Schulen ab Stufe 4 als Schulen in herausfordernder Lage galten. Mittlerweile liegt eine weiterentwickelte Version des Schulsozialindex vor, sodass die Darstellung hier von den übrigen Darstellungen abweicht, in denen Schulen von uns ab Stufe 6 als Schulen mit sozial hoher Belastung eingestuft werden.

Die vielfältige Landschaft an Berufskollegs und Weiterbildungskollegs

Ein dem Sozialindex für SchulenDer Sozialindex für Schulen in Nordrhein-Westfalen wurde im Jahr 2020 im Auftrag des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes NRW (MSB NRW) von Jörg-Peter Schräpler und Sebastian Jeworutzki in Zusammenarbeit mit der Qualitäts- und UnterstützungsAgentur – Landesinstitut für Schule (QUA-LiS NRW) entwickelt (Schräpler & Jeworutzki, 2021).
Der Index ordnet Schulen anhand der sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen ihrer Schülerschaft in neun Stufen ein. Vier zentrale Indikatoren fließen ein (Schräpler & Jeworutzki, 2023):
1. Kinder- und Jugendarmut, gemessen an der SGB-II-Quote der Minderjährigen im geschätzten Einzugsgebiet,
2. Anteil der Schüler*innen mit vorwiegend nicht deutscher Familiensprache,
3. Anteil der Schüler*innen mit Zuzug aus dem Ausland,
4. Anteil der Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den Bereichen Lernen, emotionale und soziale Entwicklung sowie Sprache.

Er erfasst die besonderen sozialen Herausforderungen, vor denen viele Schulen stehen, und ermöglicht es, Fördermittel gezielt dorthin zu lenken, wo der Bedarf am größten ist. Im Jahr 2023 wurde die Berechnungsweise des Sozialindex weiterentwickelt. Das führt dazu, dass ein Vergleich mit früheren Daten, wie denen im Bildungsbericht 2020, nur eingeschränkt möglich ist.
Sozialindex
für die Grundschule und die Sekundarstufe I entsprechender Belastungsindikator liegt für die 101 Berufskollegs in der Metropole Ruhr nicht vor, denn ihre Schülerschaft rekrutiert sich häufig aus einem größeren, je nach Bildungsgang auch überregionalen Einzugsgebiet. Die Berufskollegs/BerufsschulenDie Berufskollegs umfassen ein großes Spektrum verschiedener Bildungsgänge mit unterschiedlicher Zielsetzung und unterschiedlichen Abschlüssen (Fachschule; Fachoberschule; Berufsschule; Berufsfachschule; Berufliches Gymnasium). Im Einzelnen sind das solche, die der Ausbildungsvorbereitung dienen (BK-Anlage A), sowie solche, die eine Kombination aus beruflicher und schulischer Qualifikation beinhalten und mit zwei Abschlüssen (einem beruflichen und einem schulischen) beendet werden (BK-Anlage B3; BK-Anlage C1).Berufskollegs sind weiterhin zentrale Bildungsinstitutionen von hoher Bedeutung für die Metropole Ruhr, denn dort können Schüler*innen sowohl unterschiedliche berufliche Qualifizierungen als auch alle Schulabschlüsse einschließlich der allgemeinen HochschulreifeDie Qualifikation für einen universitären Studiengang wird durch ein Zeugnis der Hochschulreife (Allgemeine Hochschulreife oder fachgebundene Hochschulreife) nachgewiesen. Die Allgemeine Hochschulreife berechtigt uneingeschränkt zum Studium an Universitäten und Fachhochschulen.

Ein Zeugnis der fachgebundenen Hochschulreife berechtigt außer zum Studium an Fachhochschulen auch zum Studium bestimmter Fächer an Universitäten. Die Qualifikation für das Studium an Fachhochschulen kann auch durch ein Zeugnis der Fachhochschulreife nachgewiesen werden. Die Hochschulreife und die Fachhochschulreife können durch verschiedene Bildungsgänge erworben werden.
Hochschulreife
erwerben bzw. nachholen (Abbildung 3.17). Zudem offerieren weiterhin zwölf Weiterbildungskollegs als Einrichtungen des zweiten Bildungsweges zusätzliche Angebote für Erwachsene in den Bildungsgängen Abendrealschule“, „Abendgymnasium“ und „Kolleg“ und „Abitur online“, einen Schulabschluss nachzuholen.

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