Bildungsbericht Ruhr 2024
Außerschulische Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung
Ähnliches gilt für die Teilnehmenden insgesamt (Abbildung 7.11, Frage 11): Rund ein Drittel der Angebote ist finanziell nicht über ein Jahr hinaus abgesichert. Weitere 14 % haben eine Laufzeit von zwei bis drei Jahren, was einer typischen Projektlaufzeit entspricht. Auch diese Angebote sind stets mit finanziellen Unsicherheiten behaftet. Das bedeutet, dass sich aus den Antworten der außerschulischen Bildungsakteure, insbesondere auch der BNE-affinen Organisationen, der Eindruck ergibt, dass fast die Hälfte der außerschulischen Angebote nicht längerfristig abgesichert ist. Sollte dies nicht nur für die Teilnehmenden an der Befragung, sondern für die gesamte außerschulische Bildungslandschaft in ähnlicher Weise gelten, wäre sie außerordentlich vulnerabel.
Die Zahl der zertifizierten Einrichtungen der außerschulischen Anbieter von Bildung und Weiterbildung in NRW lag Mitte 2023 bei 60 (Landesregierung Nordrhein-Westfalen, o. J., Indikator 4.2).
Unter den Teilnehmenden der Befragung finden sich 20 Organisationen aus dem Ruhrgebiet, die angeben, ein Zertifizierungsverfahren durchlaufen zu haben; elf von ihnen fallen gleichzeitig in die Gruppe der Organisationen, die angeben, dass sie weniger als vier Jahre finanziert sind, drei davon weniger als ein Jahr.
In der geplanten Fortschreibung der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes soll im außerschulischen Bereich die Anzahl der vom Land geförderten BNE-Regionalzentren sowie die der BNE-zertifizierten Einrichtungen kontinuierlich erhöht werden. (Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, 2024). Dies scheint angesichts der Befragungsdaten von Ende 2022 dringend geboten.
Wenn man auf die übrigen Auswertungen der Befragung schaut (Abbildung 7.11, sind eine Reihe von Ergebnissen bemerkenswert:
Kinder, Jugendliche und Erwachsene stehen fast gleichermaßen stark im Fokus der Akteure (Frage 2). Auch Senioren als besondere Erwachsenengruppe sind Adressaten der Angebote, wenngleich mit einigem Abstand.
Die eigene Website und Social Media gehören zwar zu den wichtigsten Kanälen, um auf das eigene Angebot aufmerksam zu machen, zwei Drittel der Kanäle sind jedoch nicht vorrangig digital. Insbesondere Netzwerke und Kooperationsstrukturen sowie Printprodukte haben zusammengenommen immer noch größere Bedeutung (Frage 3).
Von den Begriffen, die die Organisationen bei ihren Angeboten verwenden, gehört „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ mit 9,1 % zum Mittelfeld (Frage 4).
Hinsichtlich der Themengruppen bzw. Nachhaltigkeitsdimensionen finden wir ein Bild, das wir schon von der Analyse aus dem vorhergehenden Abschnitt kennen: Soziales und Kulturelles liegt deutlich vor den Umweltthemen und vor ökonomischen Themen (Frage 6). Das Bild in den einzelnen Bereichen (Fragen 6a bis 6c) deckt sich weitestgehend mit dem der Grundgesamtheit. 60 Organisationen beziehen sich in ihren Angeboten explizit auf die Agenda 2030 und die SDGs.
Optimismus herrscht bei den Akteuren bezüglich der Zukunft (Frage 10): Rund die Hälfte von ihnen geht davon aus, das Angebot in gleichbleibender Häufigkeit anbieten zu können. Mehr als ein Drittel der Organisationen schätzt, dass die Häufigkeit ihrer Angebote zunehmen wird. Das steht in gewissem Widerspruch zu den oben dargestellten Antworten zur Finanzierung (Frage 11).
Auf das Thema Zertifizierung ist bereits eingegangen worden, doch lohnt es sich, einen Blick auf die Daten des gesamten Rücklaufs zu werfen:
Die Antworten zur Befragung zeichnen das Bild einer großen Gruppe von Akteuren, die bereits viele BNE-Kriterien erfüllen. Aber nur wenige von ihnen (rund 14 %) haben einen Zertifizierungsprozess durchlaufen, befinden sich in einem Zertifizierungsprozess oder streben eine Zertifizierung an (Frage 13). Rund 60 % der Organisationen führen an, dass sie das nicht planen, und weitere 26 % machen keine Angabe. Das korrespondiert mit den Antworten zu Frage 12, wonach 60 % der antwortenden Organisationen den Begriff „Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“ nicht kennen oder keine Angabe dazu machen.