Bildungsbericht Ruhr 2024
Berufliche Bildung
4. Berufliche Bildung
Das folgende Kapitel thematisiert die vielfältigen Wege der beruflichen Bildung, die Jugendlichen nach ihrer allgemeinbildenden Schulzeit offenstehen. Der erfolgreiche Abschluss einer beruflichen Ausbildung ist das Eintrittsticket in ein selbstbestimmtes Leben als Erwachsener und zur beruflichen wie gesellschaftlichen Teilhabe. Technologische Fortschritte und der demografische Wandel erfordern ständige Anpassungen in der Berufsbildung einschließlich der Entwicklung neuer Berufsbilder und der Stärkung sozialer und digitaler Kompetenzen, die zunehmend wichtig für den beruflichen Erfolg und die Integration in die Gesellschaft werden.
In der Metropole Ruhr, die stark vom wirtschaftlichen und sozialen Wandel betroffen ist, haben viele Jugendliche aus benachteiligten Verhältnissen Schwierigkeiten, mit den steigenden Anforderungen Schritt zu halten. Dies führt zu einem zunehmenden „education gap“ auf dem Arbeitsmarkt und gravierenden Passungsproblemen zwischen Bewerber*innen und Ausbildungsstellen. Im September 2023 waren in Nordrhein-Westfalen 7.590 Bewerber*innen auf Berufsausbildungsstellen unversorgt, während 11.530 Ausbildungsstellen unbesetzt blieben. Das deutet darauf hin, dass es bisher nicht ausreichend gelungen ist, qualifizierte Jugendliche für duale Ausbildungen zu gewinnen oder die Integration bildungsbenachteiligter Jugendlicher zu verbessern. Vielmehr geht die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge kontinuierlich zurück, was den Nachwuchsmangel und daraus folgenden Fachkräftemangel in einigen Branchen und Berufsfeldern in Zukunft verschärfen wird. Positiv zu verzeichnen ist die Tatsache, dass das Niveau der schulischen Vorbildung der neuen Auszubildenden im Vergleich zum letzten Bildungsbericht weiter gestiegen ist. Die Quote derjenigen, welche die Abschlussprüfung ihrer dualen Ausbildung erfolgreich ablegen, ist erfreulicherweise auf einem konstant hohen Niveau von etwa 86 % geblieben, was sicherlich auch als ein Indiz für die hohe Qualität dualer Ausbildungsgänge und die Leistungsfähigkeit dieses beruflichen Bildungsweges zu werten ist. Trotz der rückläufigen Schüler*innenzahlen im dualen System und der demografischen Entwicklungen bleiben die Zahlen im Schulberufssystem und Übergangssektor in Deutschland relativ konstant. Im Jahr 2022 traten knapp die Hälfte der jungen Erwachsenen an berufsbildenden Schulen in die Bereiche Schulberufssystem (24 %) und Übergangssektor (27 %) ein (Autor*innengruppe Bildungsberichterstattung, 2024).