Bildungsbericht Ruhr 2024
Berufliche Bildung
Streben nach schulischer Höherqualifizierung steht im Vordergrund
Abbildung 4.20 zeigt einen deutlichen Trend zur Höherqualifizierung und das Streben nach einem besseren Schulabschluss. Vor allem Schüler*innen mit mittlerem Schulabschluss (mit Qualifikation) besuchen ein Berufliches Gymnasium. In der Berufsfachschule der Anlage B, wo neben beruflichen Kenntnissen oder einem Berufsabschluss nach Landesrecht auch ein Mittlerer Schulabschluss (Fachoberschulreife) erlangt werden kann, sind eher Schüler*innen mit einem Erweiterten Ersten Schulabschluss vertreten. Die Berufsfachschule der Anlage C ist für Schüler*innen mit Mittlerem Schulabschluss unter anderem aufgrund der Möglichkeit, die Fachhochschulreife zu erlangen, besonders attraktiv. In den dualen Fachklassen ergibt sich ein heterogeneres Bild, weil dort die duale Ausbildung im Vordergrund steht. Hier bestätigt sich der Trend der letzten Jahre, dass Betriebe vermehrt Schüler*innen mit Abitur für eine duale Ausbildung gewinnen möchten; inzwischen weisen knapp 30 % der Schüler*innen die höchste schulische Qualifikation auf.
Abgänger*innen einer allgemeinbildenden Schule mit Schulpflicht und oftmals noch ohne Schulabschluss gehen häufig in die Ausbildungsvorbereitung über, weil sie in Vollzeit- oder Teilzeitform den Ersten Schulabschluss nach Klasse 9 und berufliche Orientierung ermöglicht. Darüber hinaus gibt es an der Berufsfachschule (Anlage B/C) vielfältige Bildungsgänge, die berufliche Kenntnisse in unterschiedlichen Fachbereichen mit dem Erwerb eines höherwertigen Schulabschlusses verknüpfen. Bei der Berufsfachschule in der Anlage B können die Schüler*innen einen Berufsabschluss nach Landesrecht wie Kinderpfleger*in oder Sozialassistent*in oder berufliche Kenntnisse und Abschlüsse der Sekundarstufe I (Erweiterter Erster Schulabschluss, Mittlerer Schulabschluss (Fachoberschulreife)) erlangen. Bei der Berufsfachschule in Anlage C steht das Erzielen beruflicher Kenntnisse oder eines Berufsabschlusses nach Landesrecht in Assistenzberufen wie kaufmännische und chemisch-technische Assistent*innen und die Fachhochschulreife im Fokus. Zudem gibt es verkürzte Bildungsgänge für Hochschulzugangsberechtigte, in denen die Schüler*innen einen Berufsabschluss nach Landesrecht absolvieren können.
Bildungsinfrastruktur – Ausbildungsvorbereitung
In Berufskollegs sind die Klassen zur Berufsvorbereitung in Vollzeit am stärksten vertreten. Es gibt sie in vielen verschiedenen beruflichen Fachbereichen (Abbildung 4.21), vor allem aber in Metalltechnik, Ernährungs- und Versorgungsmanagement sowie Wirtschaft und Verwaltung. In den Bereichen Gesundheits- und Sozialwesen sowie der Informatik, wo ein deutlicher Fachkräftemangel zu spüren ist und ein hoher Bedarf an Qualifizierung besteht, werden sie eher weniger angeboten. Zudem gibt es an zwei Drittel der Berufskollegs in der Metropole Ruhr internationale Förderklassen, die für die Integration Geflüchteter von hoher Bedeutung sind.
Bildungsbeteiligung – starker Zuwachs an Schüler*innen in der Ausbildungsvorbereitung im Jahr 2022
Im Zeitverlauf nehmen die Schüler*innenzahlen insgesamt ab, wobei die Gruppe der Schüler*innen, die an einer Vollzeitbildungsmaßnahme zur Ausbildungsvorbereitung an einem Berufskolleg teilnimmt (seit 2015), insgesamt größer und zudem in den Jahren 2016 und 2017 deutlich gewachsen ist. Zum Teil ist dieser Anstieg auf die Zuwanderung und die Integration geflüchteter Jugendlicher in die internationalen Förderklassen zurückzuführen. Ab 2018 zeigt sich dann ein Rückgang um ca. 1.000 Schüler*innen. Ab 2022 ist dann ein sprunghafter Anstieg in der Metropole Ruhr von ca. 1.200 Schüler*innen und damit ein wachsender Bedarf an beruflicher Orientierung zu erkennen (Abbildung 4.22).