Bildungsbericht Ruhr 2024
Berufliche Bildung
4.1. Duale Berufsausbildung als Kern der beruflichen Bildung
Bildungsinfrastruktur – Matchingprobleme trotz guter Versorgungsquote
Der Sektor der dualen Berufsausbildung ist nach wie vor der quantitativ dominante in der beruflichen Bildung und hat sich in den vergangenen Jahren von einem Stellen- zu einem Bewerber* innenmarkt entwickelt. Damit bietet sich den jungen Menschen die komfortable Situation, dass sie zwischen einer Vielzahl an möglichen Berufen und Ausbildungsstellen wählen können. Dieser Prozess der Berufswahl ist zentral für die weitere Lebensplanung, die Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe, der selbstständigen Lebensführung und ökonomischen Unabhängigkeit. Die Versorgungsquote
Die skizzierte gute Versorgungsquote mit Ausbildungsstellen geht erstaunlicherweise einher mit einem Rückgang der absoluten Zahlen des Angebots seit dem letzten Bildungsbericht, da die Zahl der Bewerber*innen ebenfalls in zweistelligem Umfang sank (Abbildung 4.2).
Aus Sicht der Betriebe sind diese Entwicklungen durchaus kritisch zu betrachten, insbesondere bei den Branchen, in denen bereits ein Fachkräftemangel zu beklagen ist. Bleiben die offerierten Ausbildungsstellen unbesetzt, so verstärkt sich mittelfristig der Mangel an adäquat qualifiziertem Personal. Die Nichtbesetzung von Stellen spiegelt ein weiterhin bestehendes und sich in den letzten Jahren verstärkendes Problem des Matchings zwischen Bewerber*innen und Stellen wider (Abbildung 4.3).
Trotz einer großen Anzahl von Bewerber*innen, die immer noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, haben die Betriebe zunehmend Probleme, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen. Diese Matchingproblematik ist einerseits bedingt dadurch, dass das Qualifizierungsniveau der Schulabgänger*innen für eine erfolgreiche Bewerbung um einen dualen Ausbildungsplatz nicht ausreicht. Notwendig sind hier Maßnahmen, die den Anteil derjenigen, die ihre Schullaufbahn ohne einen Abschluss beenden, verringern und die jungen Menschen besser auf einen Einstieg in das duale Ausbildungssystem vorbereiten. Andererseits liegt die Verantwortung auch bei den Ausbildungsbetrieben, ihre Ausbildungen attraktiver und stärker an den Erwartungen des potenziellen Nachwuchses orientiert zu gestalten. Die Vorstellungen junger Menschen bezüglich ihres beruflichen Alltags unterscheidet sich deutlich von denen früherer Generationen. Eine ausgewogene Work-Life-Balance zur Vereinbarkeit von Beruf und familiären Careaufgaben, Flexibilität des Arbeitsortes, soziale Gemeinschaft bei der Arbeit und Anerkennung stehen für sie im Vordergrund (Parment, 2023).
Die Anzahl der unbesetzten Ausbildungsstellen ist vermutlich noch höher als in Abbildung 4.3 ausgewiesen, da sie auf Daten der Bundesagentur für Arbeit basieren, in denen nur die gemeldeten Ausbildungsstellen nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) und der Handwerksordnung (HwO) aufgenommen werden. Hinzu kommen die offenen Stellen, die von den Ausbildungsbetrieben nicht gemeldet wurden, und insbesondere werden die schulischen Ausbildungsgänge nicht berücksichtigt (Fitzenberger et al., 2024).