Bildungsbericht Ruhr 2024
Frühe Bildung
2.2. Die Bildungsbeteiligung – eine heterogene Entwicklung
Die Entwicklungstrends in der Bildungsbeteiligung
Bei den Drei- bis unter Sechsjährigen (Ü3) ist ein weiterer Rückgang der Beteiligungsquoten festzustellen (Abbildung 2.9). Während die Quote in der Metropole Ruhr noch 2013 mit 92,7 % nahezu exakt dem Landesdurchschnitt von 92,8 % entsprach, ist sie bis 2019 mit fast 4 Prozentpunkten deutlich stärker gesunken und lag 2019 mit 89,0 % schon fast 3 Prozentpunkte unter dem Landesdurchschnitt von 91,8 %. Bis 2023 fiel sie um weitere 2,5 Prozentpunkte. Dass sie auch im Landesdurchschnitt inzwischen mit 89,7 % unter die 90-%-Marke gesunken ist, liegt an der Entwicklung im Ruhrgebiet. In den anderen Landesteilen ist zwar auch ein negativer Trend zu verzeichnen, jedoch bleiben die Quoten oberhalb der 90 %. Innerhalb des Ruhrgebietes wird diese Marke nur noch in Bottrop, Hamm, dem Ennepe-Ruhr-Kreis und im Kreis Wesel erreicht. Ein geringfügiger Anstieg im Vergleich zu 2019 ist nur in Bottrop, Essen und Hamm zu verzeichnen. In Duisburg, Gelsenkirchen und Herne sind die Quoten sogar deutlich unter die 80-%-Marke gefallen.
Besonders problematisch ist, dass es nicht einmal mehr gelingt, im letzten Jahr vor dem Schuleintritt die Förderung in einer Kita zu gewährleisten (Abbildung 2.10). Der Anteil der unbetreuten Fünfjährigen, der 2013 noch marginal war, ist seitdem deutlich gestiegen und hat sich 2023 im Vergleich zu 2019 auf fast 8 % nahezu verdoppelt. In Kommunen mit Ü3-Betreuungsquoten von unter 80 % erreicht er zwischen 13 % und 16 %.
Der Rückgang lässt sich nicht mehr, wie in früheren Jahren oft angemerkt, dadurch erklären, dass mit dem Ausbau der U3-Betreuung die Ü3-Plätze knapper geworden sind. Angesichts der gesunkenen Dynamik des U3-Ausbaus kann diesem Faktor keine entscheidende Bedeutung mehr beigemessen werden. Eine Erklärung liefert hingegen weiterhin die Bevölkerungsentwicklung (Abbildung 2.11). Die absolute Zahl der betreuten Ü3-Kinder ist in der Metropole Ruhr sogar etwas stärker gestiegen als im Landesdurchschnitt; noch stärker ist jedoch das Bevölkerungswachstum in dieser Altersgruppe ausgefallen – eine Entwicklung, die sich angesichts des im Bildungsbericht 2020 konstatierten Anstiegs der Anzahl der damals unter Dreijährigen voraussehen ließ. Die Herausforderungen im Hinblick auf eine hinreichende Bereitstellung von Ü3-Plätzen sind offenbar in den letzten Jahren unterschätzt worden. Sowohl fachpolitische Debatten als auch wissenschaftliche Studien haben vor allem den U3-Ausbau fokussiert (Huebener et al., 2023). Für den Übergang in die Grundschule und die Arbeit der Grundschulen sind angesichts der steigenden Zahlen von Kindern ohne Kitabesuch in den kommenden Jahren wachsende Probleme zu erwarten.
Im Vergleich zu anderen Metropolregionen zeigt ein Vergleich der Situation zwischen den Jahren 2018 und 2022, dass die Betreuungsquoten im Ruhrgebiet nach wie vor niedriger liegen (Abbildung 2.12/2.13). Während die U3-Betreuungsquoten bundesweit weiter – wenn auch nur leicht – gestiegen sind, ist das Problem sinkender Ü3-Betreuungsquoten auch in allen anderen Metropolregionen erkennbar, insbesondere in der Rhein-Neckar-Region und in Stuttgart. Es scheint sich also um ein bundesweit relevantes Problemfeld zu handeln, was die geringe Beachtung des Themas in Fachpolitik und Wissenschaft umso erstaunlicher erscheinen lässt.