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Bildungsbericht Ruhr 2020

Allgemeinbildende Schulen

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Prof. Dr. Gabriele Bellenberg
Allgemeinbildende Schulen
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Bildungsbericht Ruhr 2020
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Spreizung der Schulabschlüsse, volle Klassen und wenig Lehrkräfte

Eine zentrale Voraussetzung dafür, den Strukturwandel im Ruhrgebiet bewältigen zu können, ist insgesamt eine hohe Qualifikationsstruktur der Bevölkerung sowie im Besonderen der nachwachsenden Generation. Der Weg dahin führt über institutionalisierte Bildungsprozesse von der KiTa bis zur Universität. Der formale Bildungsstand der Bevölkerung im Ruhrgebiet hinkt dem in anderen Regionen hinterher, weiterhin besteht daher ein erheblicher Aufholbedarf.

Die Auswertungen der erreichten Abschlüsse im Ruhrgebiet macht deutlich, dass auf der einen Seite ein bedeutsamer Anteil junger Menschen das Bildungssystem mit einer Hochschulreife verlässt, zugleich aber im Zeitverlauf der Anteil junger Menschen ohne oder mit nur dem einfachen Hauptschulabschluss zulasten des mittleren Abschlusses gestiegen ist.

Bei den Schulabschlüssen ist die (Fach-)Hochschulreife der am häufigsten vergebene Abschluss. Zugleich ist der Anteil der Hauptschulabschlüsse nach Klasse 9 gestiegen, erworben zumeist am Berufskolleg. Das Berufskolleg ist die Schulform, welche die meisten allgemeinbildenden Schulabschlüsse im Ruhrgebiet vergibt und einen erheblichen Anteil bei der nachträglichen Vergabe oder Verbesserung von Abschlüssen hat.

Der Anteil der Abgänger*innen ohne Abschluss hat sich seit 2013 erhöht, dies gilt insbesondere für Schüler*innen mit Migrationshintergrund.

Die Voraussetzungen im Ruhrgebiet, die jungen Leute anspruchsvoll zu qualifizieren, sind weiterhin ungünstiger und herausfordernder als in entsprechenden Vergleichsregionen: Neben der Zuwanderung durch EU-Binnen- wie auch Fluchtmigration, die sich innerhalb des Ruhrgebiets häufig auf bereits besonders belastete Stadtteile konzentriert, ist es vor allem die Tatsache, dass überproportional viele Schulen in der Metropole Ruhr vor allem in den kreisfreien Städten über schwierige wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rahmenbedingungen verfügen. Besonders häufig finden sich solche Schulen in Stadtteilen, die bereits langfristig durch einen massiven Strukturwandel geprägt sind. Die Schüler*innenschaft dieser Schulen ist bereits individuell durch meist mehr als nur eine der herkunftsbedingten Risikolagen – Arbeitslosigkeit der Eltern, Armut, Zuwanderung sowie niedriger Bildungsstand der Eltern – betroffen und wird durch den ungünstigen Kompositionseffekt der Schule noch einmal vor zusätzliche Schwierigkeiten gestellt.

Der Anteil der Schüler*innen mit ausländischer Staatsangehörigkeit ist seit 2013 an den Grundschulen deutlich und an den weiterführenden Schulen moderat gestiegen. Die Hauptschulen haben den größten und die Gymnasien den geringsten Anteil.

Die letzten Jahre waren durch einen Anstieg der Schüler*innenzahlen im Bereich der Grundschule und einen nur moderaten Rückgang im Bereich der Sekundarstufen – bei erheblichen Unterschieden innerhalb des Ruhrgebiets – gekennzeichnet.

Durch die anstehenden Wechsel auf weiterführende Schulen werden sich diese Entwicklungen auf den Bereich der weiterführenden Schulen ausweiten, in denen die Schüler*innenzahl bisher sinkend war.

Die gestiegenen Schüler*innenzahlen im Grundschulbereich gingen zwischen 2013 und 2018 mit einem Anstieg der Zügigkeit und der Klassengrößen einher, bei zeitgleichem Rückbau der Schulstandorte.

Wie alle Bildungsregionen benötigt auch das Ruhrgebiet qualifiziertes pädagogisches Personal. Lehrkräfte sind in NRW insgesamt, aber auch im Ruhrgebiet ein knappes Gut.

Neben Strategien, mehr Lehrkräfte innerhalb der Region zu qualifizieren muss es daher auch darum gehen, für die vorhandenen Lehrkräfte attraktiv zu sein. Dies ist eine Aufgabe der gesamten Region.

Viele Schüler*innen pendeln innerhalb dieses Agglomerationsraums über kommunale Grenzen hinweg tagtäglich zu ihren Schulen. Dies ist innerhalb dieses dichten Siedlungsraumes einerseits seit Jahrzehnten gelebte und daher vielleicht auch mit wenig Aufmerksamkeit belegte Normalität, kann andererseits bei der Schulentwicklungsplanung durch eine regionalen Planungsperspektive strategisch genutzt werden.

Wenn nichts anderes angegeben ist, beziehen sich die Werte in den Grafiken auf das Jahr 2018.


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