Bildungsbericht Ruhr 2020

Allgemeinbildende Schulen

Prof. Dr. Gabriele Bellenberg

Deutlicher Schüler*innenzahlenanstieg an Hauptschulen während der Sekundarstufe I

Nach wie vor gibt es das Phänomen des Schulformwechsels während der Sekundarstufe I, weit überwiegend in der Variante der sogenannten Abschulung, also des Wechsels in einen weniger anspruchsvollen Bildungsgang. Dabei kann mit dem Wechsel eine Klassenwiederholung einhergehen. Unter Rückgriff auf die sogenannte Durchgangsquotenverfahren und DurchgangswahrscheinlichkeitDurchgangsquoten sind Relationen von Schülerzahlveränderungen beim Wechsel in höhere Klassenstufen, also beispielsweise von Klassenstufe 5 zur Klassenstufe 6. Die Quoten errechnen sich aus der Division der Schüler*innenzahlen in der höheren Jahrgangsstufe durch die der darunter liegenden. Gleichbleibende Zahlen führen zur Quote 1,00, bei steigenden Zahlen (üblich in Hauptschulen) liegt die Quote über 1,00, bei sinkenden Zahlen darunter. Auf diese Weise wird die kohortenspezifische Entwicklung der Schüler*innenzahlen einzelner Schulformen nachgezeichnet, und zwar als Saldo von Zu- und Abgängen. Anhand der Durchgangsquoten lässt sich die Wahrscheinlichkeit ermitteln, mit der Schüler*innen, die nach der Grundschule beispielsweise auf ein Gymnasium übergehen, dieses beispielsweise bis zum Ende der Sekundarstufe I durchlaufen. Dieser Indikator wird daher als Durchgangswahrscheinlichkeit bezeichnet.

Vor allem kann man damit zeigen, welche Schulformen im Verlaufe der Sekundarstufe I in welchem Umfang Schüler*innen abgeben bzw. aufnehmen. Negative Durchgangsquoten verweisen also auf Abschulungen und damit auf eine eingeschränkte Haltekraft der Schulformen; positive bzw. steigende Durchgangsquoten verweisen hingegen darauf, dass die Schulform Schüler*innen während der Sekundarstufe I aufnimmt. Die Quoten bemessen dabei die Auf- bzw. Abnahme an der jeweiligen Schulform, denn dort verändern sich durch das Geschehen die pädagogischen Rahmenbedingungen. Die multiplizierten Durchgangsquoten der Jahrgangsstufen 5 bis 9 geben damit an, in welchem Ausmaß die Schüler*innenzahlen an der betreffenden Schulform gestiegen sind oder abgenommen haben.
Durchgangswahrscheinlichkeit
wird zur Beleuchtung der Auswirkungen dieses Phänomens ermittelt, wie stark sich die Schüler*innenzahlen beim Wechsel von der 5. bis zur 9. Jahrgangsstufe in den einzelnen Schulformen verändern. Dabei muss beachtet werden, dass die Durchgangsquoten nicht nur Ergebnis von Schulformwechseln sind, sondern auch durch z. B. Schulumwandlungen (z. B. einer Sekundarschule in eine Gesamtschule) bzw. die Aufnahme neuzugewanderter Schüler*innen beeinflusst werden.

Die folgend berichteten Durchgangsquoten beziehen sich auf die Schülerkohorte, die 2017/18 in Jahrgangsstufe 9 lernte und dementsprechend im Schuljahr 2013/14 der Jahrgangsstufe 5 angehörte. Bereits der Bildungsbericht 2012 hat für die Gymnasien einen erheblichen Schüler*innenzahlenrückgang durch Schulformwechsel und für die Hauptschulen einen erheblichen Anstieg der Schüler*innenzahlen deutlich gemacht.

Für die stark geschrumpfte Hauptschule ist das Phänomen des erheblichen Schüler*innenzahlenanstiegs – durch Schulformwechsler*innen aus anderen Schulformen – auch für die ins Auge gefasste Kohorte zu beschreiben: Im Durchschnitt der Metropole Ruhr beträgt der Anstieg der Schüler*innenzahlen für diese Schulform zwischen den Jahrgangsstufen 5 und 9 85,2 %. Anders ausgedrückt: In der Jahrgangsstufe 9 lernen durchschnittlich 85 % mehr Schüler*innen als in der Jahrgangsstufe 5 begonnen haben. Damit wird deutlich, dass der stark geschrumpften Hauptschule nach wie vor die Aufgabe zukommt, von anderen Schulformen abgegangene Schüler*innen aufzufangen sowie neu zugewanderte Schüler*innen zu integrieren und zwar in einem Umfang, der durchschnittlich fast einer Verdopplung der Schüler*innenzahlen des Jahrgangs 5 gleichkommt. Auch die Gesamtschulen (plus 16,9 %) und Realschulen (4,2 %) erfahren einen deutlichen Zuwachs ihrer Schüler*innenzahlen während des Durchlaufs durch die Sekundarstufe I.

Für die Schulen dieser Schulformen bedeutet dies erhebliche Herausforderungen für die pädagogische Arbeit, denn es werden dadurch entweder Klassen aufgefüllt oder es ist die Einrichtung zusätzlicher Klassen notwendig, was die Teilung vorhandener Klassen nach sich ziehen kann. Die Gymnasien hingegen geben durchschnittlich 8,3 % ihrer Schüler*innenschaft ab, wobei erhebliche Unterschiede zwischen den Gebietskörperschaften bestehen.

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