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Bildungsbericht Ruhr 2020

Frühe Bildung

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Prof. Dr. Sybille Stöbe-Blossey
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Dr. PH Sabine Wadenpohl
Bildungsbericht Ruhr 2020
Langfassung herunterladen (8,6 MB)

Große Anstrengungen, größerer Bedarf und wachsende Bedeutung von Sprachbildung

Die Infrastruktur früher Bildung wurde in der Metropole Ruhr in den letzten Jahren stark ausgebaut; allerdings konnte der Ausbau nicht mit dem gleichzeitigen Wachstum der Bevölkerung in der entsprechenden Altersgruppe Schritt halten.

Die unterdurchschnittlichen und bei den über Dreijährigen sinkenden Beteiligungsquoten sowie die geringen Anteile an langen Betreuungszeiten deuten darauf hin, dass die Infrastruktur den Bedarf nicht vollständig decken kann und weiterhin erhebliche Anstrengungen für den quantitativen Ausbau erforderlich sind.

Die Betreuung in Kindertagespflegeeinrichtungen ist seit 2012 stärker ausgebaut worden als die Betreuung in Kindertageseinrichtungen. Die Kindertagespflege spielt bei der Betreuung der unter Dreijährigen eine wichtige Rolle.

Der Anteil der Ganztagsplätze in Kindertageseinrichtungen (mehr als 35 Betreuungsstunden wöchentlich) ist seit 2013 – bei erheblichen interkommunalen Unterschieden – gestiegen, liegt aber deutlich unter dem Landesdurchschnitt.

Der Anteil sehr großer Kitas (mehr als 100 Kinder) ist im Ruhrgebiet seit 2013 gewachsen und höher als im übrigen NRW.

In fast allen Metropolregionen ist der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in der Kindertagesbetreuung hoch.

Ein besonderes Augenmerk muss dabei im Ruhrgebiet zum einen Kindern mit nichtdeutscher Familiensprache gelten, zum anderen Kindern, die aufgrund des Bildungsstandes ihrer Eltern schwierige Startbedingungen haben. Der Anteil von Kindern mit nichtdeutscher Familiensprache in Kitas und Kindertagespflege nimmt zu. Auch in Familien mit Eltern der zweiten Zuwanderergeneration, deren Kinder nicht mehr unter das Merkmal „Migrationshintergrund“ fallen, wird häufig nicht die deutsche Sprache gesprochen. Für die Kindertagesbetreuung gehen damit steigende Anforderungen an Sprachförderung und -bildung einher. Gerade diese Kinder profitieren besonders von den Angeboten früher Bildung; ihre Eltern müssen deshalb gezielt dazu motiviert werden sie in Anspruch zu nehmen. Und mit dem weiteren Ausbau der Infrastruktur müssen die Beteiligungschancen gerade dieser Zielgruppe gestärkt werden.

Ein Engpassfaktor beim Ausbau kann sich allerdings aus dem zunehmenden Fachkräftemangel ergeben, der im Ruhrgebiet wie auch landes- und bundesweit Handlungsbedarf auslöst. Die Beschäftigtenzahlen in der frühen Bildung sind mit der wachsenden Infrastruktur gestiegen, jedoch etwas geringer als im Landesdurchschnitt. Die Nachwuchsgewinnung ist in der Metropole Ruhr angesichts eines im Landesvergleich geringeren Anteils von Nachwuchskräften von steigender Bedeutung.

In der Corona-Krise wird deutlich, dass der Fachkräftemangel, verbunden mit einem hohen Anteil älterer Beschäftigter, in wachsendem Maße zum Risiko für die Erfüllung des Bildungsauftrags für Kinder unterhalb des Schulalters wird. Für Kinder aus bildungsbenachteiligten Elternhäusern gilt dies in besonderem Maße: Während berufstätige Eltern die Betreuungsleistungen deutlich und zum Teil massiv einfordern, kann der Bildungsbedarf von Kindern aus benachteiligten Familien leicht aus dem Fokus der Aufmerksamkeit verdrängt werden. Auch niederschwellige Förderangebote, die, wie bspw. die Familienzentren in Nordrhein-Westfalen, auf einer intensiven Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtungen und Eltern basieren, sind unter den Bedingungen reduzierter Kontakte schwer zu realisieren. Die Entwicklung der Qualität in der frühen Bildung wird daher genau zu beobachten sein.

Wenn nichts anderes angegeben ist, beziehen sich die Werte in den Grafiken auf das Jahr 2018.


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