Hörsaal

Bildungsbericht Ruhr 2020

Hochschule

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Prof. Dr. Uwe Wilkesmann
Dr. Sabine Lauer
Dr. Sabine Lauer

Ausbildungserfolge trotz schwieriger Rahmenbedingungen

Die Hochschullandschaft im Ruhrgebiet ist die dichteste in Europa.

Die Hochschulen stehen vor besonderen Herausforderungen. Nicht nur die StudienberechtigtenquoteDie Studienberechtigtenquote gibt an, wie viele Personen einer Jahrgangskohorte im Laufe ihres Lebens eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben.Studienberechtigtenquote ist geringer als in den herangezogenen Vergleichsregionen, sondern die Student*innen sind besonders divers und müssen beispielsweise auch während des Semesters deutlich mehr Zeit in Nebenjobs zur Finanzierung ihres Lebensunterhalts aufwenden.

Dennoch liegt der Anteil der BAföG-Empfänger*innen unter dem Bundesdurchschnitt. Innerhalb der Vergleichsregionen findet sich in der Metropole Ruhr der höchste Anteil von Student*innen, die aus einem nicht akademischen Elternhaus stammen, sowie der höchste Anteil von Elternhäusern, in denen die gesprochene Familiensprache nicht Deutsch ist.

Die Öffnung der Zugangswege zur Hochschule funktioniert in der Metropole Ruhr erstaunlich gut. So erwirbt ein vergleichsweise hoher Anteil der Student*innen die Hochschulzugangsberechtigung nicht am Gymnasium, sondern an anderen Schulformen wie der Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe oder dem Berufskolleg.

Dennoch gibt es einen starken Rückgang der Frauenquote, wenn die Studienberechtigtenquote mit der Studienanfänger*innenquoteDie Studienanfänger*innenquote gibt an, welcher Anteil eines Jahrganges der Wohnbevölkerung im ersten Hochschulsemester ist.Studienanfänger*innenquote verglichen wird. Viele weibliche Studienberechtigte wählen danach einen anderen Berufsweg als das Hochschulstudium.

Obwohl insgesamt weniger Frauen im Ruhrgebiet studieren als in den Vergleichsregionen, studieren sie vergleichsweise häufig eine Ingenieurswissenschaft. Dies trifft auch auf die männlichen Studierenden zu.

Bei Betrachtung der Betreuungsrelationen an den Universitäten weist die Metropole Ruhr nach dem Rheinland die zweitschlechteste in Deutschland auf. Da die Differenz zwischen Studienanfänger*innen- und Erstabsolvent*innenquoteDie Erstabsolvent*innenquote gibt an, wie viele Menschen eines Jahrgangs der Wohnbevölkerung in einem bestimmten Prüfungsjahr ein Erststudium an einer Hochschule abgeschlossen haben.Erstabsolvent*innenquote im Rheinland noch schlechter ist als in der Metropole Ruhr, kann hier auch ein negativer Zusammenhang mit den suboptimalen Betreuungsrelationen vermutet werden.

In der Metropole Ruhr müssen sowohl in der beruflichen Bildung als auch an der Hochschule ein höherer Anteil von Abschlüssen erzielt werden. Die geringe Erstabsolvent*innenquote liegt aber vor allem an der geringen Studienberechtigtenquote. Das wiederum könnte zumindest teilweise auch mit der schlechten Betreuungsrelation zusammenhängen.

Multivariate Analysen haben gezeigt, dass soziale Integration signifikant die Studienabbruchstendenz verringert. Aus diesem Grund muss soziale Integration in die Hochschulen weiterhin gefördert werden, besonders weil der Anteil der First Generation Academics unter den Student*innen in der Metropole Ruhr vergleichsweise sehr hoch ist.

Die Corona-Krise hat dazu geführt, dass viele Student*innen ihre Nebenjobs verloren haben. Insofern trifft die Corona-Krise die Student*innen in der Metropole Ruhr besonders, weil dort überdurchschnittlich viele von ihnen auf einen Nebenjob angewiesen sind. Ob und wie sich die Corona-Pandemie langfristig auf Organisation und Qualität der Lehre auswirkt, bleibt abzuwarten.

Wenn nichts anderes angegeben ist, beziehen sich die Werte in den Grafiken auf die Jahre 2019/20. Student*innenzahlen: WS 2018/19.


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