Bildungsbericht Ruhr 2024
Berufliche Bildung
Bildungsergebnisse – erfolgreiche Abschlüsse und hohe Abbruchquoten
Ein wichtiges Indiz für den Erfolg einer beruflichen Ausbildung ist die Entwicklung der erfolgreich abgelegten Abschlussprüfungen. Die Bestehensquoten bewegen sich von 2013 bis 2022 auf einem konstant hohen Niveau (Abbildung 4.12). Die Differenzierungen zeigen, dass Frauen erfolgreicher ihre Prüfungen ablegen als Männer und deutsche Prüflinge häufiger bestehen als nicht deutsche. Gerade für die letztgenannte Gruppe offenbart sich Handlungsbedarf hinsichtlich der Unterstützungsmaßnahmen zur Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen und ggf. bereits während der Ausbildung, um ihre weitere berufliche Laufbahn nicht zu gefährden.
Im Gegensatz zu den Bestehensquoten deuten die vorzeitigen Auflösungsquoten der Ausbildungsverträge auf mögliche Problemlagen und daraus resultierende Handlungsbedarfe für Unternehmen und Bildungspolitik hin. Wie der Abbildung 4.13 zu entnehmen ist, steigt die Vertragslösungsquote sowohl in NRW als auch im Ruhrgebiet im letzten Jahrzehnt deutlich an. In der Metropole Ruhr wird mittlerweile fast jedes dritte Ausbildungsverhältnis vorzeitig beendet, wozu viele Bedingungen beitragen können. Betrachten wir zusätzlich die Daten aus der Abbildung 4.14, so sehen wir, dass insbesondere Abbrüche im ersten Ausbildungsjahr zugenommen haben. Das deutet darauf hin, dass hier Matchingprobleme zwischen Auszubildenden und Betrieb und/oder falsche oder mangelnde Vorstellungen über den zu erlernenden Beruf zur frühzeitigen Auflösung des Ausbildungsverhältnisses führen. Hier offenbart sich ein Orientierungsproblem, dem mit einer adäquaten Beratung zu Berufen und Ausbildungswegen bereits in den Schulen begegnet werden könnte (vgl. Siembab et al., 2023).
Differenziert nach Berufsbereichen (Abbildung 4.15) werden große branchenspezifische Unterschiede sichtbar. In einem Sektor wie dem öffentlichen Dienst mit klaren Strukturen auch in der Ausbildung wird nicht mal jedes zehnte Ausbildungsverhältnis vorzeitig gelöst. Demgegenüber sind es im Handwerk bereits über 40 %, was in einer besonders vom Fachkräftemangel betroffenen Branche erhöhter Beachtung bedarf.