Bildungsbericht Ruhr 2020
Frühe Bildung
Mehr Ganztagsplätze, aber im Schnitt noch zu geringer Anteil von Ganztagsbetreuung
Verändert haben sich im Laufe der Jahre die Betreuungszeiten. Familien können in Nordrhein-Westfalen zwischen einer wöchentlichen Betreuungszeit von maximal 25, 35 oder 45 Stunden wählen, einzelne Kommunen bieten auch Buchungszeiten von mehr als 45 Stunden an. Der Anteil der Ganztagsplätze in Kindertageseinrichtungen (also der Plätze mit einer Buchungszeit von mehr als 35 Stunden wöchentlich) ist seit 2013 gestiegen, liegt im Ruhrgebiet mit 44,8 % deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 52,5 % und weist erhebliche interkommunale Unterschiede auf – der höchste Wert im Ruhrgebiet liegt mit 58,2 % in Herne fast doppelt so hoch wie der niedrigste mit 30,3 % in Gelsenkirchen (Abbildung 2.13).
Inwieweit sich die geringeren Anteile an langen Betreuungszeiten aus dem Nachfrageverhalten der Eltern oder aus kommunalen Strategien beim Ausbau des Angebots und der Gestaltung der Elternbeiträge ergeben, kann anhand der Zahlen nicht beurteilt werden. Zu vermuten ist, dass höhere Arbeitslosigkeit, geringere Anteile an Frauenerwerbstätigkeit (vgl. Kapitel 1) und traditionelle Familienstrukturen – nicht zuletzt bei Familien mit – zu einer geringeren Nachfrage nach langen Betreuungszeiten führen. Da der Anstieg des Anteils von Ganztagsplätzen in Nordrhein-Westfalen gesetzlich gedeckelt ist, haben Kommunen allerdings auch nur begrenzte Möglichkeiten, auf einen steigenden Bedarf zu reagieren. Fiskalische Erwägungen, die in einem Teil der Kommunen zu großen Unterschieden in den Elternbeiträgen je nach Buchungszeit und generell zu relativ hohen Kosten für Eltern führen, dürften ebenfalls eine Rolle spielen. Migrationshintergrund
Im Vergleich der Metropolregionen wird im Folgenden nicht der Anteil an Ganztagsplätzen in Kindertageseinrichtungen betrachtet, sondern – analog zur oben angesprochenen Betreuungsquote – der Anteil von Kindern an der Gesamtzahl der Altersgruppe, der ganztags betreut wird, wobei Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege zusammengerechnet werden (Abbildung 2.14). Betrachtet man diese Quoten im interregionalen Vergleich, so zeigt sich insbesondere bei den unter Dreijährigen eine geringe Quote; bei den Drei- bis Sechsjährigen liegt der Anteil der ganztags betreuten Kinder nur im Raum Stuttgart noch niedriger. Innerhalb von NRW gibt es – anders als bei der Betreuungsquote insgesamt (vgl. Abbildung 2.10 in Kapitel 2.2) – große Unterschiede zwischen dem Rheinland und Westfalen: Bei den unter Dreijährigen liegt die Quote im sonstigen Westfalen kaum höher als im Ruhrgebiet, bei den älteren Kindern überschreitet der Wert im Rheinland nicht nur die Anteile im Ruhrgebiet und in Westfalen, sondern auch die Anteile in Stuttgart, Hamburg, der Rhein-Neckar-Region, München und dem Saarland.