Bildungsbericht Ruhr 2020
Zusammenfassung
7.7. Weiterbildung
Weiterbildungsbeteiligung
Die Weiterbildungsbeteiligung der Bevölkerung in der Metropolregion Ruhr hat in den letzten Jahren leicht zugenommen. Weiterhin bestehen allerdings große Unterschiede nach Qualifikationsniveaus. Weiterbildung wird häufiger von höher qualifizierten Beschäftigten genutzt und verstärkt damit Unterschiede im Bildungsniveau der Bevölkerung, anstatt sie zu verringern.
Allgemeine Weiterbildung
Angebote der allgemeinen Weiterbildung werden im Wesentlichen von Volkshochschulen und Hochschulen gemacht.
Die Volkshochschulen haben in den letzten Jahren das Gesamtangebot reduziert. Deutlich ist die Konzentration auf Sprachkurse bei gleichzeitiger Verringerung des berufsorientierten Angebotes. Im interregionalen Vergleich ist das Nachholen von Schulabschlüssen bedeutsam.
Hochschulen halten ein nur geringes Angebot für ältere Gasthörer*innen und Studierende als potenzielle Zielgruppe allgemeiner Weiterbildung vor (fehlendes offenes Angebot).
Berufliche Weiterbildung
Die Zahl der in den letzten Jahren durch die Bundesagentur für Arbeit geförderten Personen hat sich – entgegen dem bundesweiten Trend – auf niedrigem Niveau erhöht. Gering qualifizierte Personen profitieren hier überproportional häufig, während Frauen und Personen über 45 Jahre vergleichsweise ungünstige Chancen haben, eine Weiterbildung zu erhalten.
Die Anzahl der Studierenden in einem Weiterbildungsstudium an einer Hochschule ist gering. Solche Studienangebote gibt es vor allem bei (privaten) Fachhochschulen.
Fachschulen als Landeseinrichtungen beruflicher Weiterbildung leisten insgesamt einen geringen Beitrag zur Aufstiegsfortbildung von Beschäftigten in der Metropole Ruhr. Die Angebote konzentrieren sich auf gewerblich-technische Wirtschaftsbereiche; solche für Frauen sind unterrepräsentiert. Zudem sind die Absolvent*innenzahlen rückläufig.
Das trifft in ähnlicher Weise auch auf die Weiterbildungsprüfungen der Wirtschaftsorganisationen wie IHKs und Handelskammern zu. Allerdings ist insgesamt der Stellenwert für die Aufstiegsfortbildung von Absolvent*innen einer Berufsausbildung höher zu bewerten als der Beitrag der Fachschulen.
Förderung
Mit dem Bildungsscheck fördert Nordrhein-Westfalen die Finanzierung der Weiterbildung, allerdings mit erheblich geringeren Mitteln als in den Anfangsjahren. Das Programm ist zudem von betrieblichen Weiterbildungsinteressen abhängig, was zu erheblichen Disparitäten bei den Fördergelegenheiten führt. Frauen nehmen Bildungsschecks nach wir vor häufiger in Anspruch (zwei Drittel der Ausgaben).
Perspektiven
Berufsbegleitende Nachqualifizierung wird aufgrund der demografischen Entwicklung und grundlegender Veränderungen am Arbeitsmarkt (Stichworte: Digitalisierung, veränderte Qualifikationsanforderungen) deutlich an Bedeutung gewinnen.
Der gegenwärtige Umfang weiterbildender Maßnahmen und Angebote ist angesichts der zukünftigen Herausforderungen des Arbeitsmarktes eher unzureichend.